Nachhaltigkeit und Holzpellets – passt das zusammen?

Was ist überhaupt Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip, das sich auf die Ressourcen-Nutzung bezieht. Es hat eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung zum Ziel, indem es die natürliche Regenerationsfähigkeit aller beteiligten Systeme bewahrt. In der englischen Übersetzung „sustainability“ wird dies noch deutlicher. „To sustain“ bedeutet „aushalten“, „standhalten“ oder „ertragen“. Anders formuliert heißt das also, dass die beteiligten Systeme ein bestimmtes Maß an Ressourcennutzung dauerhaft aushalten können, ohne selbst Schaden zu nehmen. Wird dieses Maß überschritten, ist die dauerhafte Bedürfniserfüllung gefährdet. Denn die ungeregelte Ressourcennutzung führt über längere Zeit zum Verlust der Ressourcen. Dies gilt es zu vermeiden, denn das Handlungsprinzip hat die Ressourcenerhaltung trotz Nutzung zum Ziel. Das Prinzip wurde zuerst in der Forstwirtschaft angewendet: Im Wald darf nur so viel Holz gefällt werden, wie permanent nachwächst. Als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erkannt wurde, dass viele Rohstoffe und Energievorräte auf der Welt auszugehen drohen, wendete man das Prinzip auch als Ziel auf den Umgang mit allen Ressourcen an.

Konkret auf den Heizstoff Holzpellet bezogen, stellt sich bei vielen immer wieder die Frage, ob der Brennstoff denn nachhaltig sei. Dass fossile Brennstoffe es nicht sind, ist seit Jahrzehnten bekannt. Das jedoch beantwortet die Nachhaltigkeitsfrage in Bezug auf Holz als Brennstoff nicht gleich automatisch und uneingeschränkt mit „ja“.

Baum Nachhaltigkeit von Holzpellets

Klima- und Umweltfreundlichkeit

Eng verwoben mit der Frage nach der Nachhaltigkeit ist auch die Frage nach der Klima- und Umweltfreundlichkeit. Denn obwohl Letztere genau genommen nicht deckungsgleich mit der Frage nach der Nachhaltigkeit sind, sind sie doch eine Bedingung der Nachhaltigkeit.  Wenn dauerhaft das Klima und/ oder die Umwelt geschädigt werden, hat dies auf lange Sicht gesehen das Ende (fast) aller Ressourcen zur Folge. Auf einer Erde, die verglüht oder gefriert, austrocknet oder von Wasser bedeckt ist, gibt es keine dauerhafte Nutzung aller früheren Ressourcen mehr.

Ob das Heizen mit Holzpellet klimafreundlich und umweltfreundlich ist, lässt sich leicht positiv beantworten. CO2 ist die chemische Summenformel für das aus Kohlenstoff und Sauerstoff bestehende Molekül Kohlen-(stoff-)dioxid. Das Gas CO2 ist neben Stickstoff, Sauerstoff und sogenannten Edelgasen ein natürlicher Bestandteil der Luft und damit der Erdatmosphäre und es ist eines der bedeutendsten Treibhausgase. Gerade deshalb ist hier ist ein Gleichgewicht und eine Stabilität entscheidend für die „sustainability“.

Durch die Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Materialien wie Öl, Kohle und Holz entstehen (zusätzliche) CO2-Emissionen. Daher ist die Menge der CO2-Emissionen seit der Industrialisierung enorm gestiegen.

Hier bekommen Bäume und alle anderen Pflanzen eine tragende Rolle: Im Rahmen der Photosynthese entnimmt der Baum das Kohlendioxid aus der Atmosphäre und verarbeitet es mithilfe der Lichtenergie zu Zucker. Der Traubenzucker wird vom Baum verwertet, so dass das Kohlendioxid in Form von Kohlenstoff im Holzkörper gespeichert wird. Als Abfallprodukt der Photosynthese gibt der Baum Sauerstoff frei, den alle Lebewesen zum Atmen brauchen. Eine natürliche Konzentration von Kohlendioxid und Sauerstoff in der Luft ist sehr wichtig für alle Lebewesen, denn ist die CO2-Konzentration in der Atemluft höher als normal, kann das CO2 aus dem Blut nicht in der notwendigen Menge in die Lunge übertreten und somit kann das Blut nicht genügend Sauerstoff aufnehmen. Das Problem ist also nicht etwa mangelnder Sauerstoff, sondern ein Zuviel an Kohlenstoffdioxid in der Atemluft.

Im Interesse alle Lebewesen ist es also ratsam, genügend Pflanzen und vor allem die großen Bäume, lebendig zur Verfügung zu haben und nicht etwa einen Großteil zu verfeuern und damit noch zusätzlich CO2 zu erzeugen. Auf den ersten Blick scheint es also im Sinne der Nachhaltigkeit überhaupt keine gute Idee, vermehrt mit Holz zu heizen, auch wenn Menschen dies bereits seit tausenden Jahren tun und Holz der älteste und natürlichste Brennstoff für uns ist.

Herbstwald mit Abendsonne und Wiese

Entwarnung

Wenn man das aktuelle Verhältnis von lebendigen, CO2-absorbierenden Bäumen und Bäumen, die verbrannt werden und CO2 freisetzen, betrachtet, sieht die Bilanz für Deutschland jedoch gut aus. Das bei der Verbrennung freigesetzte CO2 wurde zuvor theoretisch vom jeweiligen Baum schon selbst absorbiert, sodass sich hier ein nachhaltiger Kreislauf ergibt. Praktisch natürlich müssen nachfolgende Bäume es absorbieren. Wenn, wie in Deutschland, nicht mehr Holz gefällt wird als nachwächst, ist die Verbrennung also CO2-neutral. In anderen Ländern ist dies jedoch nicht immer der Fall, daher sollte man stets die Herkunft von Holz und Holzbrennstoffen prüfen.

Pelletproduktion = Abfallverwertung

Hinzu kommt, dass die Pellets zu großen Teilen ohnehin nur aus Holzabfällen hergestellt werden. Das Wort Pellet stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Kügelchen oder Pille und beschreibt die Form der Pellets. Bei Holzpellets handelt es sich um kleine zylinderförmige Teilchen, welche aus Holzschnipseln zusammengepresst werden. Hergestellt werden sie z. B. in Kollergangpressen, in denen die feinen Holzschnipsel zusammengedrückt und durch ein Stahlgitter gepresst werden. Das im Holz enthaltene Lignin dient dabei als Bindemittel zwischen einzelnen Holzteilchen, sodass in der Regel kein Bindemittel hinzugegeben werden muss.

Die Presslinge werden in Deutschland aus Holzspänen hergestellt, die im Sägewerk für Holzbau und Möbel anfallen – früher vermeintlich ein Abfallstoff, heute die Grundlage für diesen Energieträger. Drei Millionen Tonnen Späne werden heute jährlich zur Pelletproduktion genutzt, nicht einmal die Hälfte der verfügbaren Menge aus deutschen Sägewerken.

Auch hochveredelte Pellets benötigen zur Herstellung nur rund 2,7 Prozent der in ihnen enthaltenen Energie. Gewinnung und Transport ist bei fossilen Brennstoffen viel aufwändiger: Bei Öl müssen 12 Prozent und bei Flüssiggas 14,5 Prozent an Energie erst einmal hineingesteckt werden. In diesen Werten sind die größtenteils noch unerforschten Mengen an Emissionen aufgrund von Methan-Lacks z. B. bei der Förderung oder den Gaspipelines noch gar nicht enthalten. Dazu kommen die Umweltauswirkungen von z. B. Fracking und Havarien auf hoher See.

Eine gewisse Menge wird aus ganzen Bäumen hergestellt, aber auch hier besteht kein Grund zur Sorge, denn der deutsche Waldbestand wächst im Durchschnitt 176 Quadratkilometer pro Jahr. Allein auf den CO2-Ausstoß bezogen, ist beispielsweise die Verbrennung von Erdgas “sauberer” – dieser Rohstoff wächst allerdings nicht nach und absorbiert vor der Verbrennung auch kein CO2. Holz dagegen gibt bei der Verbrennung genau so viel CO2 frei, wie bei seiner Verrottung. Es macht also hinsichtlich der CO2-Emissionen keinen Unterschied, ob es verbrennt oder verrottet. Außerdem bleibt CO2, das in Bau- oder Möbelholz gebunden ist, lange Zeit im Holz, in der Regel sogar länger als die Verrottung im Wald dauert.

Die Asche stellt ebenfalls kein Problem dar, da Pellets sehr wenig Asche hinterlassen. Die wenige Asche, die anfällt, kann als Gartendünger eingesetzt oder einfach im Hausmüll entsorgt werden.

Blick in Deutsche Wälder

Die nachhaltige Bewirtschaftung des deutschen Waldes ist gesetzlich vorgeschrieben. Es darf also nur so viel Holz entnommen werden, wie nachwächst. Großflächige Kahlschläge sind verboten. Bei der letzten Bundeswaldinventur zeigte sich ein über zehn Jahre konstantes, positives Bild: Die Wälder produzierten weit mehr Holz als – bei zunehmender Nutzung – verbraucht wurde. Trotz Dürre- und Sturmschäden hat die Waldfläche in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen. Rund ein Drittel der Landesfläche ist bewaldet. Von den knapp 120 Mio. Kubikmetern Holz, die jedes Jahr zuwachsen, werden nur etwa zwei Drittel überhaupt genutzt. Momentan ist es wichtig, krankes und vom Borkenkäfer zerstörtes Holz schnell aus dem Wald zu entfernen und damit dem Käfer seinen Brutraum zu entziehen. Oft kann dieses Holz dann auch nur noch energetisch genutzt werden. 

Der deutsche Wald bleibt dank nachhaltiger Bewirtschaftung ein idealer Energielieferant direkt vor der Haustür. Deutschland ist mit 3,1 Mio. Tonnen der größte Pelletproduzent in Europa. Es werden deutlich mehr Pellets exportiert als importiert. In deutschen Sägewerken wird größtenteils Holz aus heimischen Wäldern verarbeitet. Dementsprechend kurz sind die Transportwege. Oft ist das Pelletwerk sogar direkt im Sägewerk. Da es ein breites Netz an Pelletproduzenten und -händlern gibt, ist auch der Kunde schnell erreicht. Aufgrund der kurzen Lieferstrecken ergibt sich eine deutlich niedrigere CO2-Bilanz für den Transport als beim Import von fossilen Brennstoffen aus dem Ausland. Wer mit Holzpellets heizt, macht sich zudem unabhängig von politischen Krisen und Konflikten und daraus resultierenden Lieferschwierigkeiten und Preisschwankungen. 

Mit dieser reichen Rohstoffbasis kann sich Deutschland also auch in Zukunft komplett selbst mit dem nachhaltigen Energieträger versorgen und weiterhin einen Teil in Nachbarländer exportieren.

Wald-in-Deutschland-DEPI_Wald_1

Was bedeutet das nun?

Dies ist nur eine Einschätzung aus unserer gegenwärtigen Zeit. Es ist schwer abzuschätzen was passieren würde, wenn ein Großteil der Weltbevölkerung mit Holzpellets heizen würde, zumal sich die Weltbevölkerung ja gerade rasant vergrößert. Wir können nur für Deutschland sagen, dass es jetzt und in absehbarer Zukunft nachhaltig ist, mit Holzpellets zu heizen. Deutsche Wälder halten gerade gut aus, wie viel Holz gefällt und wie viel verfeuert wird und die Verfeuerung hat keine nachteilige Wirkung auf das Klima. Und es ist noch gut „Luft nach oben“. Wann diese Standhaftigkeit nachlässt, dass Gleichgewicht kippt und der Verlust der Ressource Holz droht, muss in Zukunft beobachtet werden.

Quelle: Deutsches Pelletinstitut, www.energieheld.de